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Ein Zertifikat ist ein Wertpapier in der Rechtsform einer Schuldverschreibung bzw. Anleihe. Es ist eine Zweitverbriefung eines Basiswertes oder -papiers und zählt zu den Derivaten und den strukturierten Finanzprodukten. Erstmals wurde 1989 ein Zertifikat von einer Bank emittiert und an der Börse gehandelt. Zertifikate sind klassische Retail-Produkte. Sie werden im Gegensatz zu Fonds vorwiegend direkt vertrieben. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2007 wurden in Deutschland rund 136 Milliarden Euro im Handel mit Zertifikaten umgesetzt. Es werden Anlagezertifikate und spekulative Produkte unterschieden. Erstere weisen kein intrinsisches Totalausfallrisiko auf. Unabhängig von den Produktrisiken können Zertifikate in zwei Gruppen eingeteilt werden:

  • Partizipationszertifikate: Der Wert des Zertifikats folgt dem Wert des Basiswerts; Beipiele: Tracker-, Index-, Themen-,
  • Strategie-, Basket-Zertifikate; Laufzeit Endlos
    Zertifikate mit definiertem Rückzahlungsprofil; Das Zertifikat nimmt zur Fälligkeit einen von vorab festgelegten Bedingungen abhängigen fWert an. Beipiele: Discount-, Bonus-, Outperformance-, Express-Zertifikate, Optionsscheine, Aktienanleihen; Laufzeit bei Emission definiert

Zertifikate werden in Deutschland an den Börsen Stuttgart (Euwax), Frankfurt (Scoach), Berlin und Düsseldorf (Börse Düsseldorf) gehandelt. In Österreich werden Zertifikate an der Wiener Börse gehandelt, einige Indextitel sind von der KESt befreit, die steuerliche Behandlung ist jedoch unter anderem vom Emissionszeitpunkt abhängig. Zusätzlich bieten die Emittenten bei ausgewählten Banken ihre Zertifikate im außerbörslichen Direktgeschäft an. Anlagezertifikate bestehen aus einer Basiswert- oder Geldmarkt-affinen Komponente und einer Renditekomponente. Bei letzterer handelt es sich meist um Optionsscheine, die entweder vom Emittenten gekauft oder verkauft werden. Bei der Basiswert- oder Geldmarkt-affinen Komponente handelt es sich meist um Zero-Strike-Calls und Zerobonds. Deshalb haben die Zertifikate-Transaktionen auch (abhängig von ihrer Konstruktion) meist keinen Einfluss auf Angebot und Nachfrage ihres Underlyings. Dies ist einer der Gründe, weshalb einige Stimmen Zertifikaten kritisch gegenüber stehen (u.a. Warren Buffett und Bolko Hoffmann (Effecten Spiegel)). Wenn nämlich das in Zertifikate investierte Kapital in die jeweilige Aktie direkt investiert würde, wäre eine höhere Nachfrage und somit eine Kursstützung bzw. ein Kursanstieg der Aktie die Folge.

Es besteht potenziell das Risiko, dass bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten ein Totalverlust des investierten Kapitals eintritt. Zwar erscheint angesichts der Tatsache, dass die meisten Zertifikate von renommierten, finanziell soliden Banken ausgegeben werden, dieser Fall als eher unwahrscheinlich, dennoch sollte sich jeder Anleger dieses Risikos bewusst sein und sich mit der Bonität des Emittenten vertraut machen.

 

Index-Zertifikate :

Index-Zertifikate haben als Basiswert einen Aktien-, Wertpapier- oder Rohstoff-Index. Sie werden in der Regel 1:100 zum Index gehandelt. Stünde der DAX etwa bei 5.000 Punkten, wäre ein DAX-Index-Zertifikat 50 Euro wert. Indizes (Index-Zertifikate) sind streng genommen nichts weiter als eine Zusammenfassung von nach bestimmten Regeln ausgewählten Basiswerten. Die bekanntesten werden von den großen Börsenbetreibern gebildet, z. B. der Dow Jones Euro Stoxx 50 oder der Dow Jones Index. Aber auch Einzelpersonen (z. B. Jim Rogers) oder Medienanstalten (z. B. Bloomberg) und auch Emittenten erstellen Indizes. Bei der Zertifikatauswahl ist zu beachten, ob sich diese auf einen Performanceindex oder auf einen Kursindex beziehen. Bei einem Performanceindex werden die Dividendenzahlungen mit einbezogen, bei einem Kursindex hingegen nicht. Bei Indizes, die nicht in Lokalwährung notieren, besteht ein zusätzliches Währungsrisiko. Dieses kann mit Quanto-Index-Zertifikaten ausgeschlossen werden. Indexzertifikate eignen sich besonders gut dazu, die moderne Portfoliotheorie auch für Privatanleger umzusetzen. Eine Alternative zu Indexzertifikaten sind Indexfonds, die den Index passiv in einem Fondsmantel abbilden.

 

Basket-Zertifikate

bilden einen Korb von Aktien oder auch anderen Anlage-Produkten ab und sind eine Sonderform der Indexzertifikate. Die Zertifikate unterscheiden sich hinsichtlich der Ausschüttung von Dividenden, dem Mechanismus der Pflege der Korb-Zusammensetzung und der hierfür erhobenen Managementgebühr.

 

Tracker-Zertifikate

bilden die Kursentwicklung eines Basiswerts 1:1 ab. Es werden keine Dividenden ausgezahlt. Zukünftige Dividendenzahlungen werden statt dessen diskontiert und damit bereits vorab im Kurswert berücksichtigt. Dividendeneinkünfte werden also in Kurssteigerungen umgewandelt. Insbesondere bei Werten, die eine üppige Sonderdividende ausschütten, kann ein Tracker-Zertifikat punkten. Einige Emittenten ermöglichen außerdem mit Tracker-Zertifikaten ein flexibles, kostengünstiges Investment in exotische Basiswerte.

 

REIT-Zertifikate

bilden die Kursentwicklung einer börsennotierten Immobilien-Aktiengesellschaft (Real Estate Investment Trust, REIT) oder eines Immobilienindex ab. Das Kerngeschäft von REITs ist die Vermietung, Verpachtung und Verwaltung von Immobilien. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Zertifikaten auf die unterschiedlichsten Basiswerte (GPR, Tokyo SE Real Estate Index).


Exchange Traded Commodities

Zertifikate auf die Anlageklasse Rohstoffe werden unter dem Namen Exchange Traded Commodities angeboten.

 

Discount-Zertifikate

Die grundlegende Idee des Discount-Zertifikats ist die Risiko-Begrenzung im Vergleich zu einem Direkt-Investment in dessen Basiswert. Im Gegenzug ist allerdings auch die erzielbare Rendite mit einem produktspezifischen Höchstwert (Cap) gedeckelt.

 

Bonus-Zertifikate

Bonus-Zertifikate (oder auch zusammengeschrieben Bonuszertifikate) nutzen Dividendenausschüttungen für eine Absicherung des Investments gegen Kursrückgänge. Sie nehmen unbegrenzt an der Kursentwicklung des Basiswerts teil und bilden den Kursverlauf des Basiswerts deshalb bereits während der Laufzeit nahezu 1:1 ab. Notiert der Basiswert zur Fälligkeit unterhalb des Bonuslevels, aber oberhalb der Barriere, so erhält der Anleger den Bonuslevel ausgezahlt. Fällt der Basiswert während der Laufzeit (auch intraday) unter die Barriere, so wird der Bonusmechanismus außer Kraft gesetzt. Das Bonus-Zertifikat mutiert dann zu einem nicht dividendenberechtigten Tracker-Zertifikat.

 

Hebel-Zertifikate

(auch: Turbo- oder Knock-out-Zertifikate, Mini-Futures)
sind Investments in einen Basiswert unter Einbeziehung eines Wertpapierkredits.

Der Wert eines Hebel-Zertifikats berechnet sich aus dem Kurs eines Basiswerts und einem für das Zertifikat festgelegten

Strike-Kurs: Wert = Kurs − Strike.

Mit Hebel-Zertifikaten kann das Underlying zu einem günstigeren Preis gekauft werden. Es existiert hierbei eine Knock-Out-Grenze (Kurs = Strike), bei dem das Hebel-Zertifikat wertlos wird. Durch den Hebel partizipiert ein Hebel-Zertifikat stärker von Kursschwankungen als der darunterliegende Basiswert.

Es existieren generell zwei Typen von Hebel-Zertifikaten:

  • Partizipation an steigenden Kursen, diese werden auch als Bull-, Long-Zertifikate oder Wave-Calls bezeichnet.
  • Partizipation an fallende Kursen, diese werden auch als Bear-, Short-Zertifikate oder Wave-Puts bezeichnet.

Die Funtktionsweise wird in diesem Artikel beschrieben: Funktionweise Hebelzertifikat


Bandbreiten-Zertifikate

Die Idee des Produktes besteht darin, innerhalb einer Kursspanne gehebelt an der Veränderung des Basiswerts zu profitieren. Nach unten ist das Risiko (im Gegensatz zum Hebel-Zertifikat) dagegen gleich dem des Basiswertes. An Kurssteigerungen über dem Höchstbetrag (Cap) ist der Anleger nicht mehr beteiligt. Neben den Bandbreiten-Zertifikaten existiert noch die Familie der sogenannten Korridor-Optionsscheine, die sich von dem hier beschrieben Verfahren total unterscheiden.

Die Kursentwicklung während der Laufzeit ist aufgrund der Konstruktion mit Optionen wenig mit der Entwicklung des Basiswerts korreliert. Auch können während der Laufzeit erzielte Gewinne verloren gehen, wenn der Kurs des Basiswerts nach einem Anstieg wieder fallen sollte. Durch den Verzicht auf digitale Optionen verliert das Zertifikat niemals seine Eigenschaften. Identisch ausgestattete Zertifikate werden von unterschiedlichen Emittenten während der Laufzeit unterschiedlich bepreist.

Drei mögliche Fälle können zum Laufzeitende eintreten:

  1. Der Kurs des Basiswerts ist innerhalb dieser Bandbreite: der Käufer erhält den gehebelten Kurswert.
  2. Der Kurs des Basiswerts ist unterhalb des Anfangsbetrags: der Käufer erhält den entsprechend verminderten Wert.
  3. Der Kurs des Basiswerts ist oberhalb des Cap: der Käufer erhält den Betrag des Caps und die Differenz zwischen Anfangsbetrag und Cap (er profitiert also nicht von der weiteren Kurssteigerung überhalb des Caps).

 

Outperformance-Zertifikate

Beim Outperformance-Zertifikaten profitiert der Anleger von einem Kursanstieg des Basiswerts(Aktie oder Index) über einen festgelegten Basispreis überproportional. Die Hebelwirkung des Zertifikates wird durch die jeweilige Partizipationsquote oder -rate dargestellt. Die Outperformance ist nach oben unbegrenzt.

Im Ergebnis wandeln Outperformance-Zertifikate Dividenden und andere Ausschüttungen des Basiswerts in eine Kurssteigerung um. Da dies über Optionskäufe erfolgt, baut sich die Partizipationsquote während der Laufzeit des Zertifikats langsam auf. Bei Basiswerten, die konstant oberhalb des Strike notieren, lassen sich interessante Seitwärtsrenditen realisieren.


Garantie-Zertifikate (auch: Kapitalschutz-Zertifikate)

Der Emittent garantiert, dass der Käufer mindestens das eingesetzte Kapital am Laufzeitende zurück erhält. Die Kapitalgarantie bezieht sich stets auf den Nennbetrag des Zertifikats (also 100 % bzw. 100 Euro). Erfolgt ein Bezug oberhalb dieses Preises, beispielsweise weil ein Ausgabeaufschlag oder ein Handelspread erhoben wird, trägt der Anleger für diese Preisdifferenz ein Verlustrisiko. Der Kurs des Zertifikates kann während der Laufzeit unter den Ausgabekurs fallen, denn die garantierte Rückzahlung greift nur zur Fälligkeit des Zertifikats. Ein kapitalgesichertes Zertifikat kann sich jeder recht einfach nachbauen. Hierzu muss man den vorgesehenen Betrag sicher anlegen, z.B. in eine festverzinste Staatsanleihe. Da man sich auf die Zinsen verlassen kann, ist es jetzt völlig risikolos, mit dem zugesicherten Betrag hochspekulative Wetten auf Kursbewegungen einzugehen. Maximal wird das Kapital aufgebraucht. Zur Fälligkeit der Anleihe hat man mindestens den Ursprungsbetrag wieder zur Verfügung. Die Emittenten von Garantiezertifikaten nutzen sog. ZeroBonds oder Nullkuponanleihen als Quelle risikoloser Erträge für die Finanzierung der spekulativen Wetten.

 

Alpha-Zertifikate

Alpha-Zertifikate (α-Zertifikate) sind Zertifikate die den Unterscheid zwischen zwei Basiswerten abbilden. Die Basiswerte können dabei Aktien, Indices, Rohstoffe, Devisen, Immobilien usw. sein. Da Alpha-Zertifikate nicht die absolute Entwicklung eines Wertes abbilden sondern nur den Unterschied zu einem anderen, werden sie auch marktneutral bezeichnet. Alphazertifikate können auch dann zulegen, falls beide zu Grunde liegenden Basiswerte absolut fallen. Dieses Verhalten kann insbesondere bei lang anhaltenden Bären-Märkten von Vorteil sein. Konstruiert werden Alpha-Zertifikate indem eine Long-Position des potentiellen Outperformers gekauft und der vermeintliche Underperformer leer verkauft (geshortet) wird.

 
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